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Eingesurt und aufgetischt - Innviertler Surspeck


Das Innviertel, die Region zwischen Salzach, Inn, Donau und Kobernaußerwald, ist bekannt für landschaftliche Reize und herzhafte Küche. Bodenständig und echt, so präsentieren sich die traditionellen Gerichte aus regionalen Rohstoffen. Seit jeher darf der Innviertler Surspeck, auch "Kübelspeck" genannt, bei einer Brettljause nicht fehlen.
 
Beinahe wäre er allerdings in Vergessenheit geraten, der weiße, schmackhafte Speck. Nach neuesten Erkenntnissen der Ernährungswissenschaft ist die früher als zu fett verpönte Köstlichkeit rehabilitiert, denn langsam gewachsenes Fett ist sogar gesund!
Der Rohstoff für den Innviertler Surspeck kommt von der Edelsau oder dem ungarischen Wollschwein. Mit dem richtigen Futter wie Gerste, Roggen und Milch werden die Tiere langsam auf 400 kg Lebendgewicht gefüttert. Eine fertige "Specksau" liefert rund 80 kg Rückenspeck, der großteils weiß ist und anschließend eingesurt wird. Die Speckstücke werden dabei für rund sechs Wochen trocken in Kochsalz und Knoblauch eingelegt. Als Zeichen der Reife gilt schließlich der weiche Biss durch den Speck.
Hauchdünn geschnitten wird die Innviertler Köstlichkeit zur Jausenzeit auf Brot genossen. Dazu gehört frischer Schnittlauch aus dem Bauerngarten. Eine Delikatesse sind auch die Innviertler Surspeckknödel, die mit würfelig geschnittenem Speck gefüllt sind. Dazu wird Sauerkraut oder Kartoffelpüree gereicht.

Die Genussregion Innviertel

Zwischen Ried im Innkreis und Braunau liegen die Orte Altheim und St. Veit. Hier befinden sich die Wurzeln der neuen Genussregion Innviertel rund um den Innviertler Surspeck.
Die Leiterin der Naturschule St. Veit, Herta Tiefenthaler, und Dr. Christine Katzlberger-Laimer sind die Initiatorinnen der neuen Genussregion. Beide haben sich Gedanken über regional typische Lebensmittel gemacht und sind dabei auf den Innviertler Surspeck gestoßen. Dieser war in den letzten Jahren selten geworden - aber warum? Nach den Erkenntnissen mancher Ernährungsberater und Ärzte ist bekanntlich Fett im Übermaß gegessen nicht gesund. So gab es fast keine Bauern mehr, die Fettschweine fütterten. Neueste Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft belegen die positive Wirkung des langsam gewachsenen Rückenspecks der "Specksau". Das traditionelle Schmankerl ist rehabilitiert und wird von der neuen Genussregion vor dem Verschwinden gerettet.
 
Innviertler Surspeckknödel

Zubereitung
Speck fein würfelig schneiden, Schnittlauch und etwas Pfeffer dazugeben. Kugeln mit einem Durchmesser von 3 cm Durchmesser drehen. Einige Stunden einfrieren und mit Semmelteig oder Brandteig umhüllen. In siedendem Wasser 10 Minuten köcheln lassen. Mit Sauerkraut oder Kartoffelpürree servieren und gut schmecken lassen!
 
 
 
 
Rezept nach Altinnviertler Art
1 kg Brot
1,5 kg griffiges Mehl
1,5 kg Speck
 
Weckenbrot entrinden, schneiden und in ca. 1/8 bis 1/4 Liter heißem Wasser einweichen. Ausdrücken und mit den Händen abreiben. Kümmel gemahlen (je nach Geschmack des Brotes) ins Mehl einarbeiten. 1 Ei, eventuell auch 1 EL Öl gut unterkneten (mit der Rührmaschine kein Problem) und mindestens zwei Stunden rasten lassen.
In der Zwischenzeit Surspeck (angefroren) in ganz kleine Würfel schneiden. Mit Pfeffer, eventuell etwas Paprika und Schnittlauch würzen. Manche geben auch ein wenig Knoblauch dazu. Kleine Knöderl drehen und tieffrieren.
Teig zu Rollen formen. Kleine Teile mit dem Handrücken ausdrücken. Knödel drehen. Aufpassen, dass der Teig überall gleichmäßig ist. Loch mit Wasser zuschmieren und gleich einfrieren.
In wallendes Wasser legen. Hitze ein wenig zurücknehmen. Wenn die Knöderl aufsteigen sind sie fertig.
Klassisch gibt es dazu Sauerkraut. Im Sommer schmeckt aber auch frischer Krautsalat oder knackiger grüner Salat mit mildem Peterilie-Basilikumdressing hervorragend.
 
Teig nach Maria Endl, der 85-jährigen Knödelspezialistin aus St. Veit:
1/2 kg Knödelbrot
1/2 entrindetes Schwarzbrot mit Wasser abreiben, eine Prise Salz dazu und mit Mehl fest abarbeiten. Die restliche Zubereitung siehe oben.
 
Geschichte(n) rund um den Surspeck

Wie der Montag zum "Knödeltag" wurde
Immer wenn altbackenes Brot im Haus war, wurde der Knödelteig für die Speckknödel gemacht. Sehr oft war das am Montag der Fall, wenn vom sonntäglichen Schmaus noch Brot blieb. Daher kam es auch, dass am Montag der sogenannte "Knödeltag" war. Gerade die Wiederentdeckung des alten Wissens über langsam gewachsenes Schweinefleisch und dessen gute Kraft für den Körper erlauben es uns, die Knödel ab und zu wieder richtig zu genießen. So ist unser Surspeckknödel eigentlich schon früher zu der Ehrenbezeichnung eines typischen "Slowfood" gekommen. Langsam gewachsen und bewusst genossen, so entfaltet der Speckknödel seinen ganzen Reiz.
 
 
Knödel sind "Soulfood"
(aus dem News Genussguide)
 
Wir leben in Zeiten der überdimensionalen Reizüberflutung, der Beschleunigung und des Leistungsdrucks. Vielleicht gerade deshalb ist immer mehr der Trend zu einer Rückeroberung der Ruhe, der Sicherheit und das Schätzen des ursprünglichen Unveränderten, vielleicht sogar des Einfachen, zu beobachten. Irgendwie scheint dies die Psyche zu erden.
So gibt es auch für jeden in der Ernährung Gerichte, die uns über Geruch und Geschmack an eine unbeschwerte Kindheit erinnern und in der Erinnerung "die Seele baumeln lassen", uns trösten.
Im Innviertel ist das oft der Surspeck, den es zur Jause gab. Ebenso ein Weg "die Seele zu nähren" ist aber auch sich auszuklinken aus einem monströsen Regelwerk von Ernährungsvorschriften und sich NUR auf den Genuss einzulassen, loszulassen, sich gut tun und nichts anderes tun als genießen. Dies natürlich in Maßen. Schließlich kann man etwas am besten genießen, wenn man es nicht jeden Tag hat. Genuss tut über den Körper auch dem Geist und der Seele gut.
 
 
Knödelessen bei Zillner's Einkehr in Altheim
 
Die Surspeck-Spezialisten der Metzgerei Stranzinger in Altheim
 
Die Specksau